Der Prolog

Eröffnungs-Cinematic

Diese Szene haben wir als Spieler:innen zu Beginn der Kampagne gesehen — „zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort und unter anderen Umständen". Unsere Charaktere waren nicht dabei und wissen (noch) nichts davon. Wer die beiden Personen sind und was der Verrat bewirkt hat, ist offen.

Der Text

Ein Blitz durchzuckt den dunklen Nachthimmel. Die schmale Frau zieht die Kapuze ihres Mantels tiefer ins Gesicht, doch der Regen hat sie längst bis auf die Knochen durchnässt. Kälte kriecht durch ihren Körper. Doch für eine Pause wird heute keine Zeit mehr bleiben.

„Worauf wartest du?"

Gegen den Sturm ist seine Stimme nur schwer auszumachen. Ihr Begleiter steht auf der anderen Seite des Kreises, den sie mit Hammer und Meißel in den nackten Stein des Berggipfels geschlagen haben. Ungeduldig blickt er zum Himmel, doch Regen und Wolken verbergen, wonach er sucht.

„Wir haben nicht mehr lange Zeit."

Sie weiß, dass er recht hat.
Auch ohne die Sterne zu sehen, spürt sie das Zittern der Ley-Linien tief unter dem Berg. Die Magie verdichtet sich. Etwas bewegt sich.
Sie setzt den Hammer erneut an und schlägt die letzte Rune in den Stein.

Ein weiterer Blitz zerreißt die Nacht.
Jahre der Suche führen zu diesem Augenblick. Jahre verlorener Schriften, gescheiterter Rituale und verworrener Irrwege.
Unwillkürlich legt sie eine Hand auf ihre rechte Innentasche. Dort ruht die Schriftrolle mit den wahren Versen.
Ihre Finger wandern zur linken Tasche.
Die andere Rolle fühlt sich exakt gleich an.

„Nun komm endlich! Gleich ist der Höhepunkt erreicht!"

Ihr Begleiter tritt in die Mitte des Kreises an den hüfthohen Steintisch. In der flachen Mulde auf seiner Oberfläche liegt die Kristallkugel, dunkel und reglos.
Sie atmet einmal tief durch und betritt den Kreis.
Der Mann sieht kurz zu ihr auf. Für einen Moment glaubt sie, ein angespanntes Lächeln auf seinen Zügen zu erkennen.
Zweifel regt sich in ihr.

Dann durchbricht ein Leuchten die Dunkelheit der Nacht.
Nicht wie bei einem Blitz. Es dauert an. Es ist anders. Älter.
Sie hebt den Blick zum Himmel.

Trotz der dichten Wolkendecke zeichnen sich vier gewaltige Sphären aus Licht darüber ab, einander näher als seit Jahrhunderten. Blau. Weiß. Gold. Tiefrot.
Ihr Begleiter beginnt zu rezitieren.

„Nén, Cemen, Vilë, Nár.
Etyallen ve.
Sí rahtaine lyë ohta-sanwe.
Sí ná i aurë i Elenyára."

Die Kristallkugel beginnt zu leuchten.
Erst schwach.
Dann bricht ein Lichtstrahl aus ihr hervor und schießt in den Himmel. Die Wolkendecke reißt auf, als würde der Sturm selbst vor der Magie zurückweichen. Hoch über ihnen verbindet sich der Strahl mit einer der leuchtenden Sphären.

Der Berg erbebt.
Ihr Begleiter spricht die alten Worte weiter, lauter nun, fast ekstatisch.
Gleich ist es soweit.

Für einen Atemzug hält sie inne.
Dann greift sie in ihre linke Tasche und zieht die Schriftrolle hervor.
Langsam entrollt sie das Pergament und hält es ihm entgegen, damit er die Verse lesen kann. Eine Sekunde vergeht. Dann noch eine, während er weiter rezitiert, und die Kugel fokussiert.
Dann endlich hebt er den Blick zu ihr.
Seine Augen heften sich auf die magischen Verse in ihren Händen. Tief in die magische Formel versunken, bemerkt er es nicht.
Die letzten Worte verlassen seine Lippen.
Für einen einzigen Herzschlag wird alles still.
Dann verschwindet die Welt in gleißendem Licht.

Was gezeigt wurde

Bezüge

Vermutung

  • Wer sind die beiden? Verfolgten sie dasselbe Ziel — oder benutzte einer den anderen?
  • Die Frau reicht ihm bewusst die falsche Schriftrolle, während er die echten Verse erwartet. Hat sie das Ritual sabotiert, umgelenkt — oder ihn geopfert?
  • „Jahre verlorener Schriften, gescheiterter Rituale" — diese Suche lief lange. Steht sie in Verbindung zum „großen Ereignis", das über Noryndal gemunkelt wird, oder zu dem, worauf die Familie Rith'kar ihre Kräfte richten?
  • Liegt der Berggipfel überhaupt in Noryndal? Der Prolog betont ausdrücklich „an einem anderen Ort".